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Vorbilder gibt es kaum. Doch jetzt ist die Entscheidung über die architektonische Gestalt des Verbrauchermarktes, der in Hannover-Wettbergen in Passivhausbauweise entstehen soll, gefallen. Das Hamburger Architekturbüro Spengler und Wiescholek gewann den beschränkten Wettbewerb, zu dem Grundstückseigentümerin meravis Wohnungsbau- und Immobilien GmbH in Absprache mit der Stadt Hannover geladen hatte.
Der zukünftige REWE-Markt ist Teil von Europas größter 0-Emissionssiedlung im Baugebiet „zero:e park“ Am Hirtenbach. Auf rund 300 Grundstücken entstehen hier ab Herbst 2010 Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser ausnahmslos in Passivhausbauweise. Der Restenergiebedarf soll über das Wasserkraftwerk in Döhren gedeckt werden. Damit ist das gesamte Baugebiet in seiner energetischen Bilanz eine 0-Emissionssiedlung und hat Pilotcharakter europaweit. Die Klimaschutz-Anforderungen an den Verbrauchermarkt der neuen Siedlung sind somit ebenfalls hoch und vor allem - noch zu entwickeln. Für Wohngebäude sind die Standards für eine Passivhausbauweise festgelegt, nicht jedoch für Supermärkte. Die hannoversche Klimaschutz Agentur Pro Klima arbeitet zurzeit mit dem Passivhausinstitut in Darmstadt zusammen, um Richtlinien für diese Bauaufgabe zu entwickeln. An dem Pilotprojekt sollen Standards für Passivhaus-Supermärkte festgelegt werden z.B. hinsichtlich der Eingangssituation und der speziellen Anforderungen an Windfang und Dämmung oder in Bezug auf die Abwärmerückgewinnung der Kühleinrichtungen.
Stadt Hannover und meravis messen dem Objekt eine hohe Bedeutung in Fachwelt und Öffentlichkeit bei. Geschäftsführer Matthias Herter erklärt die Auslobung eines Architektenwettbewerbs für eine Standardbauaufgabe wie einen Supermarkt „Auch bei den engen Funktionsvorgaben und Kostenrahmen des Verbrauchermarktes setzen wir besondere Ansprüche an die Gebäudegestaltung. Als Teil des zero:e parks muss der Baukörper seine Besonderheit auch architektonisch zeigen und in Bezug zur künftigen Passivhaussiedlung stehen.“
Am Wettbewerb nahmen sechs Architekturbüros aus dem Raum Hildesheim, Hannover, Neustadt und Hamburg teil. Die Jury mit Vertretern von meravis, REWE, dem Investor und Baudezernent Bodemann favorisierte einstimmig den Hamburger Beitrag. Der unaufdringlich heitere Entwurf werde sich gut in das künftige Umfeld einfügen. Im Jury-Protokoll heißt es weiter: „Positiv gewertet wird die Fassade als Holzverkleidung in bewegter Anordnung. Die Materialwahl von Holz als nachwachsender Rohstoff wird in Bezug auf den Klimaschutzaspekt des gesamten Baugebiets besonders begrüßt. Die Holztafelbauweise mit vorproduzierten Fertigteilen gilt zudem als kostengünstig. Die farbigen Lichtkästen auf dem Dach bieten für Passanten und Kunden interessante Ansichten. Die Einhausung der Lieferzone nimmt Rücksicht auf die angrenzende Wohnnachbarschaft und schafft mit ihrer bewegten Traufe eine belebte Raumkante.“ Der Bebauungsplan für das gesamte Baugebiet zero:e park ist seit 1.7.2010 rechtskräftig. Die Stadt beginnt Mitte August mit den Erschließungsarbeiten und ab September können Hausbauinteressenten Grundstücke erwerben. Der Bauantrag für den Verbrauchermarkt soll noch im August 2010 gestellt werden, so dass der Baubeginn noch in 2010 erfolgen kann.