Natürlich. Gemeinsam. Smart.

Beton oder Holz, Single-Apartment oder Kommune, Biogarten oder Smart Home: Die Zukunft des Wohnens wird aus vielen Ideen gemacht. Welche Entwicklungen in Sachen Wohnen werden in Zukunft wichtig?

Ins Jahr 2038 nimmt uns der deutsche Pavillon mit, der in diesem Sommer auf der Internationalen Architektur-Biennale in Venedig präsentiert wurde. „Wie werden wir zusammen wohnen?“ ist das Thema der Ausstellung, und die Kuratoren des deutschen Beitrags haben eine Reihe von Antworten vorbereitet: Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und ökologisches Kreislaufdenken. 

„Doch schon in der Gegenwart wirft diese Zukunft ihre Schatten voraus: Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass in vielen Wohnungen ein Büro eingerichtet wird. Und der Berliner Mietendeckel hat einmal mehr gezeigt, wie drängend die Herausforderung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum ist. Auf diese und weitere Fragen werden – neben Architekt*innen und Politiker*innen – wir alle als Gesellschaft eine Antwort finden müssen.

Ressourcen effizient nutzen

Es wird manchmal unterschätzt, aber das Wohnen hat einen großen Einfluss aufs Klima: Das Bauen selbst zeichnet für einen hohen Ressourcenverbrauch verantwortlich. Welche Lösungen gibt es hier? Das Arbeiten mit dem Bestand statt mit Neubauten sowie nachhaltigere oder recycelbare Materialien sind Ansatzpunkte, die der Bund Deutscher Architekten 2019 in einem Positionspapier vorgestellt hat. Der nachwachsende Rohstoff Holz wird wieder häufiger verwendet, denn er hat hervorragende bauphysikalische Eigenschaften und „man kennt sich“ – schließlich gibt es eine lange Tradition und viel Erfahrung im Bauen mit Holz. Weiterhin im Trend: das sogenannte Urban Mining. Dabei achtet man darauf, Steine oder andere Materialien aus bestehenden Gebäuden erneut zu verwenden.

Beim Wohnen ist das Reduzieren von Verbrauch – egal ob Wasser oder Energie – durch persönliches Verhalten und energieeffiziente Systeme gleichermaßen wichtig. Eine Herausforderung ist die zunehmend erforderliche Klimatisierung von Gebäuden und Städten. Die Begrünung von Fassaden und Dächern sieht nicht nur natürlich aus, gleichzeitig wird Feinstaub gebunden und so die Luft verbessert – und durch Verdunstung das Gebäude gekühlt. Gebäude in hellen Farben nehmen weniger Wärme auf, und mit Außenjalousien auf der Sonnenseite sorgt man dafür, dass die Wärme gar nicht erst in die Wohnung eintritt. Die Stadt Wien betreibt bereits ein eigenes Fernkältenetz: Bei dieser umweltfreundlichen Form der Kühlung wird mit Abwärme aus der Müllverbrennung Wasser gekühlt, das direkt zu den Abnehmer*innen transportiert und über hauseigene Kühlsysteme verteilt wird.

Gemeinschaftlich wohnen

Neben Nachhaltigkeit und Klimaschutz stellen sich zunehmend auch soziale Fragen des Wohnens: Wie privat oder wie gemeinschaftlich soll ein Zusammenwohnen mit anderen Menschen sein? Wie viel Platz brauche ich eigentlich? Und was mache ich im Alter – vor allem, wenn ich allein wohne? Die klassische Wohngemeinschaft kennen viele aus eigener Erfahrung. Auch die Baugruppe, in der z. B.  junge Familien gemeinsam ein Haus bauen, ist recht bekannt. „Collaborative Living“ nennt das Zukunftsinstitut in seiner Studie „Zukunft des Wohnens“ (2013) diesen Trend zu mehr Gemeinschaft beim Wohnen. Egal ob es um gemeinsames Kaffeetrinken, gemeinschaftliche Projekte oder Unterstützung im Alltag geht: Statt separater Wohnungen, die sich über Quadratmeter oder Ausstattung definieren, stehen zusätzliche, flexible und gemeinsame Nutzungen von Flächen im Vordergrund. So hat in einer Hausgemeinschaft jede Partei ihre eigene Wohnung, aber es gibt gemeinschaftliche Bereiche. Die Cluster-Wohnung ist eine Art weiterentwickelte WG: Jede*r hat einen privaten Wohnbereich mit eigenem Badezimmer. Der zentrale Teil der Wohnung – meist das Wohnzimmer, der Essbereich und die Küche – wird gemeinschaftlich genutzt. Projekte mit Cluster-Wohnungen wurden bereits in Berlin, München und Zürich realisiert. Diese Sharing Economy (siehe Ausgabe 01/2020 der miteinander) betont die Gemeinschaft auch außerhalb der klassischen Kernfamilie. Car-Sharing, Co-Working oder kollektives Urban Gardening sind bereits fest etabliert. 

Smart und digital leben

Ein weiterer Trend, der nicht aufzuhalten ist: Smart Home. Hier geht es um mehr als den Roboter zum Rasenmähen. Eine automatische Steuerung von Beleuchtung und Verschattung sorgt für reduzierte Energiekosten, und verlorene Schlüssel gehören mit einer Eingangstür, die sich per Fingerabdruck öffnet, der Vergangenheit an. 

„Smart Being“ nennt das Zukunftsinstitut den Trend, der die Technologie mit Gesundheit und Wohlbefinden verknüpft. Gerade für ältere Menschen tun sich hier neue Optionen für selbstbestimmtes Wohnen auf: Betten mit Aufstehfunktion, Toiletten, die gleich den Blutzucker im Urin messen, oder ein Vertikalföhn, mit dem man sich ohne Handtuch abtrocknen kann. Anschauen (und kaufen) kann man dies beispielsweise in einer Modellwohnung im „Haus der Zukunft“, einem Projekt des Unfallkrankenhauses Berlin.

Wie sieht sie aus, die Zukunft des Wohnens? Bis sich in jedem Wohnungsneubau eine Homeoffice-Nische findet, wird es vielleicht noch etwas dauern. Die umgekehrte Variante, nämlich die Umwandlung von ehemaligen Büros in Wohnungen, wird hingegen heiß diskutiert. Übrigens: Wer in diesem Sommer nicht nach Venedig zur Internationalen Architektur-Biennale fahren konnte, kann trotzdem an der Diskussion um das künftige Wohnen teilhaben: Unter www.2038.xyz präsentiert sich der deutsche Pavillon mit seinen Ideen online.

Kommen Sie mit in die Zukunft?

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