Support your Locals

Vom Tante-Emma-Laden bis zum qualifizierten Meisterbetrieb: Wie die Menschen im Quartier von der ultralokalen Nahversorgung profitieren und welche Rolle die Nachbarschaft für den Geschäftserfolg spielt.

Die Sonne scheint auf die Terrasse in der Hannoveraner Südstadt. Stefan Koszewski serviert Kaffee in einer individuellen Röstung, italienischen Wein und Tomate- Mozzarella – mit Bio-Olivenöl. Das Café ist ein Treffpunkt in der Nachbarschaft und Teil des Spezialitäten-Geschäfts ELEA. Hier bietet der Unternehmer und Gastronom unter anderem Olivenöl, Wein, Pasta und mediterrane Köstlichkeiten an.

„Klar, Hannover ist eine Großstadt – aber wir sind doch hier auch eine Nachbarschaft!“

Stefan Koszewski, ELEA, Hannover

ELEA startete 1999 als Olivenölkampagne. Die Idee, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich zusammentun, um direkt beim Erzeuger zu kaufen, war von der Teekampagne bekannt. Damals wurde einmal im Jahr direkt bei einem Olivenbauern auf Kreta bestellt und an einige Haushalte in Hannover geliefert. Als der Initiator der Olivenölkampagne 2009 starb, übernahm der langjährige Kunde und heutige Unternehmer Stefan Koszewski: „Direkteinkauf, fairer Handel, Olivenöl aus ökologischem Anbau – die Idee fand ich so charmant, dass ich sie nicht sterben lassen wollte.“ 

Olivenöle, die nach Urlaub duften

Der Marketingprofi hatte noch weitere Ideen – und gab ELEA im Januar 2010 mit dem Ladenlokal in der Geibelstraße auch ein physisches Zuhause. „Aus meiner Sicht war die Zeit gekommen. Die Menschen wollten anders einkaufen, ein Einkaufserlebnis haben“, berichtet Koszewski. Von seinen Reisen zu Olivenbauern auf Kreta, Mallorca oder an die Côte d’Azur bringt er weitere lokale Spezialitäten für seinen Shop in der Geibelstraße mit. 

Der Standort sei für eine Handelslage nicht unbedingt 1a, meint er. Dennoch: „Ich habe mir die Südstadt bewusst ausgesucht.“ Auf Basis von Statistik zur Bevölkerungsstruktur hat er 2010 darauf gesetzt, dass im Stadtteil auch junge Leute zuziehen. Er sei in das Quartier hineingewachsen, berichtet der Olivenöl- Sommelier, und ihm ist es wichtig, die Menschen zu begleiten. Er erzählt vom Zweitklässler, der weinend im Laden stand, weil bei ihm keiner zu Hause war. Klar hat Stefan Koszewski das Kind mit Kakao versorgt, die Hausaufgaben beaufsichtigt und dem Vater Bescheid gesagt, dass er sich keine Sorgen machen muss. „Diese Erlebnisse machen Nachbarschaft wertvoll“, freut er sich. 

E L E A Handelsagentur 

Geibelstraße 18 
30173 Hannover 

Telefon: 0511 / 534 004 17 

Nett und nah schlägt online und discount? 

Brötchen, Gemüse oder Milch im unmittelbaren Umfeld der Wohnung kaufen zu können, ist wichtig: nicht nur, aber gerade auch in Corona-Zeiten. „Nahversorgung“ nennen dies die Stadtentwickler. Dazu gehören nicht nur der Lebensmitteleinzelhandel, sondern auch Friseure, Schneider und verschiedene Fachgeschäfte mit Angeboten von erfahrenen Experten. 

Aber der Einzelhandel steht vor großen Herausforderungen: Lebensmitteldiscounter mit immer größeren Ladenflächen entstehen – meist vor den Toren der Stadt auf der grünen Wiese mit kostenlosen Parkplätzen und einer riesigen Auswahl. Und auch der Online-Handel nimmt zu: Allein 2019 erreichte nach Angaben des Handelsverbands Deutschland das Volumen des Online-Handels mit fast 60 Milliarden Euro ein neues Allzeithoch. Verbraucher sind mobiler und preisbewusster, das schlägt sich auch im Kaufverhalten nieder. Und nicht zuletzt der demographische Wandel beeinflusst die Nachfrage. Keine einfache Ausgangslage für kleine Fachgeschäfte. 

Handgemacht schmeckt man! 

„Wir machen alles selbst“, ist die Antwort von Anton Rutterschmidt auf diese Herausforderung. Er ist Inhaber der Konditorei Janeke in Hamburg-Harburg. Mit einem breiten Angebot an Brötchen, Brot, Kuchen und Torten ist das Team aus 20 Mitarbeitenden an sieben Tagen die Woche für die Kunden da.

Produziert wird direkt hinter dem Laden in der eigenen Backstube. „Ich denke dass wir am Markt so präsent sind, weil die Ehrlichkeit einfach rüberkommt“, ist er überzeugt. Viele Kundinnen und Kunden wüssten nicht, dass sich der Produktionsbetrieb hinter dem Ladengeschäft befinde. Über eine gläserne Backstube hat er schon oft nachgedacht, die ist aber baulich derzeit nicht möglich. 

Seit 1899 gibt es die Bäckerei in Hamburg-Harburg. 1945 wurde am damals neuen Standort in der Eißendorfer Straße das Haus aus Trümmern neu aufgebaut und das Geschäftsfeld Konditorei kam dazu. Gemeinsam mit seiner Frau führt er seit 1996 das Geschäft in dritter Generation. Hohe Handwerkskunst bedeutet für ihn eine große Vielfalt und Sortimentstiefe. Die Zufriedenheit der Kunden steht für ihn an erster Stelle, gerade bei Spezialaufträgen: „Wir gehen selbstverständlich auf Sonderwünsche des Kunden ein – denn das wird immer wichtiger, insbesondere in der Konditorei. Hochzeitstorten zum Beispiel werden fast immer ganz individuell gefertigt.“ 

„Mein Schwiegervater war für mich ein Künstler, der jeder Marzipanfigur Leben eingehaucht hat – wie Walt Disney. Von ihm habe ich viel gelernt.“ 

Anton Rutterschmidt, Konditorei Janeke, Hamburg-Harburg 

Und das ist noch längst nicht alles: Die Konditorei als umweltzertifizierter Betrieb arbeitet schon lange äußerst nachhaltig, bezieht seine Rohstoffe von regionalen Lieferanten – und bildet bis zu fünf Konditoren und Bäcker gleichzeitig aus. Aber eines ist Anton Rutterschmidt besonders wichtig: „Der Kunde schätzt das persönliche Gespräch, das andernorts nicht mehr stattfindet. Aber das ist doch die Grundlage für Kundenbindung. Und Nachbarschaft.“

Konditorei Janeke 

Eißendorfer Str. 181 
21073 Hamburg 

Telefon: 040 / 790 55 04 

Klönschnack im Tante-Emma-Laden

Das persönliche Verhältnis zum Ladeninhaber war auch Teil des Erfolgsrezepts der berühmten Tante-Emma-Läden. Und Emotionen werden auch in Zukunft wichtiger sein als Effizienz, glauben die Forscher von KPMG. In einer Marktanalyse haben sie 2013 die Perspektiven für Nahversorgung untersucht. Kunden wünschen sich Erlebnisse und Kontakte, ist ihr Ergebnis. Gleichzeitig sind Bio-Produkte und Produktion direkt im Laden gefragt, denn der Bedarf an sicheren und authentischen Nahrungsmitteln steigt. Regionale Herkunft ist nicht erst seit Corona ein Thema für Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen. 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit möchte die Nahversorgung insbesondere in ländlichen Räumen stärken. Die Experten sehen eine Kombination verschiedener Angebote als wichtig an. Gleichzeitig unterstreichen sie, dass die Nahversorgung vor allem für Personen ohne Auto relevant ist. Das sieht die Nachbarschaft auch so: Mit Initiativen wie „Support Your Locals“ engagieren sich Konsumenten in vielen Städten für die kleinen Läden und Dienstleister in ihrem Kiez. 

Horst Müller 
Orthopädie-Schuhtechnik 

Bonner Str. 90 
40589 Düsseldorf 

Telefon: 0211 / 79 15 33 

Mit Fachwissen punkten, mit Freundlichkeit begeistern

Mobilität „per pedes“ ist auch die Mission der Firma Horst Müller Orthopädie-Schuhtechnik. Das Unternehmen gibt es seit 1974, drei Jahre später zog es als meravis-Mieter in die Bonner Straße nach Düsseldorf- Holthausen. Mark Behmenburg ist der heutige Inhaber und Orthopädieschuhmachermeister. Er hat 1990 als Geselle im Unternehmen angefangen und es 2011 von seinem ehemaligen Chef übernommen. Horst Müller ist zwar im Ruhestand, arbeitet aber immer noch in der Werkstatt und in der Beratung mit. „Er kann einfach nicht von seiner Arbeit und den Kunden lassen“, freut sich Mark Behmenburg über die Unterstützung des Experten. 

„Die Corona-Krise war eine Herausforderung, aber sie hatte auch etwas Gutes: Die Menschen waren geduldiger, freundlicher und entspannter – und die Straßen waren auch leerer.“ 

Mark Behmenburg, Horst Müller, Düsseldorf

Orthopädische Einlagen für Konfektionsschuhe und orthopädische Maßschuhe bietet das hochspezialisierte Fachgeschäft. Auch Schutzschuhe für Diabetiker, Verbands- und Entlastungsschuhe sind im Programm. Die Philosophie von Mark Behmenburg? Er punktet mit Qualität und langjährig erworbenem Fachwissen. „Dies ermöglicht es uns, unseren Kunden zu helfen und ihnen die Schmerzen zu nehmen.“ Die Schmerzen fingen häufig bei den Füßen an und könnten sich bei ungelösten Fußproblemen über die Knie zum Rücken bis hin zum Kopf erstrecken. „Es ist wie bei einem Haus“, erklärt Behmenburg. „Wenn das Fundament nicht stimmt, steht das ganze Haus schief.“ 

Von der Tradition in die Zukunft 

Ein gutes wirtschaftliches Fundament und zufriedene Kunden sind eine solide Grundlage, um als Unternehmer langfristig erfolgreich zu sein und Krisen, wie zuletzt die Corona-Pandemie, zu überstehen. Und es gibt Pläne. Stefan Koszewski sucht eine zweite Location, in der er Seminare zum Kochen mit Olivenöl anbieten kann. Und vielleicht realisiert Anton Rutterschmidt doch noch die gläserne Backstube. Unterstützen wir die Nachbarschaft in ihren unternehmerischen Plänen – und genießen gleichzeitig gute Qualität, eine exzellente Beratung und den einen oder anderen Klönschnack! 

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