Weihnachten mit unseren Locals

Auch Traditionen nehmen irgendwann ihren Anfang – und wir möchten eine neue Tradition ins Leben rufen. In der vergangenen Print-Ausgabe der „miteinander“ haben wir Ihnen drei lokale Geschäfte vorgestellt, die in der Nähe bzw. in unseren Beständen liegen. Aufgrund Ihrer positiven Resonanz – und weil man unabhängige Läden im Quartier einfach nie genug unterstützen kann – führen wir ab sofort unsere Serie „Support your Locals“ in jeder Ausgabe fort. Auch dieses Mal haben wir Geschäfte ausgewählt, die etwas Besonderes sind – und die außerdem tolle Geschenkideen fürs lokale Weihnachtsshopping in petto haben.

Eine Idee mit Hand und Fuß

Wenn jemand weiß, was es bedeutet, Locals zu unterstützen, dann Anna Lina Bartl. 2018 gründete die damals 28-Jährige parallel zu ihrem Studium das Unternehmen „Mulembe Kaffee“, das Rohkaffee aus Uganda importiert, in Deutschland röstet und anschließend vertreibt. „Mulembe“ bedeutet „Hallo“ auf Lugisu, der lokalen Sprache, die rund um den Mount Elgon in Uganda gesprochen wird. Dort kommt der Kaffee her, den Anna Lina online sowie seit April dieses Jahres in einem eigenen Ladengeschäft mitten im Hannoveraner Stadtteil Limmer verkauft. Sie kennt alle Kaffeeproduzent*innen, die sie beliefern, persönlich, denn sie hat viel Zeit in den Kaffeegärten am Mount Elgon verbracht. Während ihres Studiums der Agrarwissenschaften erhob sie dort Daten, um zu untersuchen, welchen Einfluss der Klimawandel auf den Kaffeeanbau und die Ernteerträge hat. 

„Mir ist negativ aufgestoßen, dass die Forschung nur bis zum Papier reicht und sich nicht in konkrete Zusammenarbeit und Unterstützung übersetzt“, sagt Anna Lina. Also verfasste sie ein Handbuch zur Behandlung von Baum- und Pflanzenkrankheiten und gewann so den Respekt und das Vertrauen der Bäuer*innen vor Ort. „Das Buch war ein Eisbrecher“, sagt sie. Und die Grundlage für eine dauerhafte Zusammenarbeit. „Ich hatte schon immer den Traum, etwas Eigenes aufzubauen, hinter dem ich zu 100 % stehen kann. Etwas mit Hand und Fuß.“ Mulembe Kaffee hat Hand und Fuß – dafür sorgt die junge Unternehmerin selbst. Ihre noch laufende Promotion dreht sich um die Frage, wie sich die Einkommenssituation der Produzent*innen verbessern lässt, welche Potenziale vor Ort schlummern und welche Fallstricke es zu vermeiden gilt.

Mulembe Kaffee
Harenberger Straße 3
30453 Hannover
Telefon: 0177 3365036
mulembe-kaffee.de

Die Menschen hinter dem Kaffee

Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse sind unmittelbar wichtig für die Entwicklungsprojekte, die dann mit den Gewinnrückflüssen durch Mulembe finanziert werden. Vor Ort kümmern sich außerdem drei Angestellte von Mulembe zusätzlich um den Kontakt zu den Kaffeeproduzent*innen, sie implementieren die Entwicklungsprojekte und sind Ansprechpartner*innen für alle Fragen und Probleme. „Das unterscheidet uns tatsächlich von anderen Direktimporteur*innen“, sagt Anna Lina. „Wir handeln ganz direkt und sind den Produzent*innen langfristig verbunden. Sie können sich auf uns verlassen.“ Wer konkret hinter den Kaffees steht, die im Mulembe Café ausgeschenkt und verkauft werden, lässt sich übrigens ganz einfach herausfinden: „Jede unserer Kaffeeverpackungen ist auf eine*n Produzent*in zurückzuführen. Wenn man den QRCode auf der Verpackung scannt, erzählen die Menschen jeweils etwas über sich selbst, ihre Familie oder ihren Kaffee. Dass jede*r selbst zu Wort kommt, finde ich wichtig.“  „Na ja, eigentlich haben wir ja erst angefangen“,sagt sie lachend. An einer eigenen Rösterei arbeitet sie bereits. Wenn alles gut läuft, kann die gesamte Importware ab Anfang nächsten Jahres vor Ort geröstet werden. Auch damit kennt sich die Chefin übrigens bestens aus – schließlich hat sie schon während ihrer Schulzeit in einer Hannoveraner Rösterei das Handwerkszeug gelernt und ihre Liebe zu Kaffee entdeckt.

Ein ganzer Korb voller Stoffe

Seit 2013 gibt es einen Ort, den alle Nähbegeisterten und Stoffliebhaber*innen in Hannover und Umgebung kennen: den Stoffkorb in Langenhagen. Hier sorgen Lothar Alburg und seine Frau Iris Alburg-Brandt gemeinsam mit ihren Mitarbeiter*innen dafür, dass der Nachschub an besonderen und hochwertigen Stoff en niemals abreißt. Die meravis Gewerbemieter*innen kommen eigentlich aus dem Ingenieurwesen, aber vor rund zwölf Jahren entstand der Wunsch, ein eigenes Geschäft aufzuziehen. Mit Stoffen kannten sie sich aus, die Entscheidung war gefallen. Zunächst war es ein „Nebenhergeschäft“, geführt aus dem eigenen Zuhause. Doch die Nachfrage stieg und Alburgs zogen in ihren ersten Laden. Als auch dieser zu klein wurde, fanden sie durch Zufall das Ladengeschäft in Langenhagen. „Es musste ordentlich umgebaut werden“, erzählt Lothar Alburg. „Aber in Zusammenarbeit mit meravis hat das hervorragend geklappt. Wir sind hier seit 2013 und noch immer sehr zufrieden.“ Mittlerweile halten die Langenhagener ein großes und dennoch ausgesuchtes Sortiment an exklusiven Stoff en sowie Kurzwaren und Nähzubehör vor, das sowohl im Ladengeschäft als auch online verfügbar ist.

Offline schlägt Online auch morgen noch

Wenn es um den Verkauf ihrer Stoffe geht, setzen Alburgs allerdings in erster Linie auf ihr Ladengeschäft: „Stoffe muss man anfassen, ans Licht halten, sehen, wie sie fließen und fallen – all das kann man online nicht abbilden“, sagt Iris Alburg-Brandt. Natürlich gibt es einen Online-Shop, aber richtig beraten können sie dort nicht: „Unsere Kompetenz und die Kundenbetreuung sind wesentliche Faktoren unseres Geschäfts. Anfänger*innen zum Beispiel darf man nicht mit Fachbegriff en bombardieren, sondern muss sie dort abholen, wo sie stehen. Nähprofis hingegen wollen professionelle Unterstützung und Antworten auf sehr spezifische Fragen. Das alles geht nur im persönlichen Gespräch“, erklärt Lothar Alburg und Iris Alburg-Brandt ergänzt lächelnd: „Und um ehrlich zu sein, macht der persönliche Kontakt auch viel mehr Spaß, als nur Bestellungen zu verpacken – darauf möchte ich wirklich nicht verzichten.“

Für ein solidarisches Miteinander

„Solidarische Landwirtschaft ist eine Kooperation von Landwirt*innen und lokalen Verbraucher*innen in einer regionalen Vertragslandwirtschaft“ – was trocken klingt, ist in Wahrheit das wunderbare, zugleich traditionelle und hochmoderne Konzept des Kattendorfer Hofes. Calli Loeck ist der kaufmännische Leiter des Hofladens in Barmbek und erklärt, was es damit auf sich hat: „Im Klartext heißt das, dass der Hof Lebensmittel produziert und die Verbraucher*innen – als feste Mitglieder – die Lebensmittel solidarisch abnehmen.“ Das Prinzip ist tatsächlich ganz einfach: Über einen monatlichen Beitrag von derzeit 218 Euro (für einen vollen Anteil inkl. Fleisch, man kann auch halbe bzw. vegetarische Anteile erwerben) erhält ein zweiköpfiger Haushalt alles an Lebensmitteln, was er braucht. Kein Pappenstiel – aber die Lebensmittel sind alle nach Demeter-Richtlinien produziert, übertreffen also sogar die Standards sonstiger Bio-Labels.


„Wir haben mittlerweile fünf Läden, vier davon in Hamburg (Schanze, Barmbek, Eimsbüttel, Othmarschen). Das ist ein besonderes Einkaufserlebnis, man fühlt sich wie in einem echten Hofladen auf dem Land. Natürlich sind hier auch Nicht-Mitglieder willkommen, die Läden stehen allen off en.“ Hat man Interesse an einer Mitgliedschaft, darf man vorher einmal für vier Wochen testen, erst anschließend geht man eine Jahres-Mitgliedschaft ein. „Wir sehen eine steigende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln und dem Konzept der solidarischen Landwirtschaft“, sagt Calli Loeck. „Innerhalb von elf Jahren konnten wir fünf Läden eröffnen. Die Menschen konsumieren bewusster und achten mehr darauf, was sie essen. Und das ist nicht nur für die Menschen gut, sondern auch für Tiere und Umwelt. Dafür stehen wir.“

Kattendorfer Hof
Dorfstraße 1a
24568 Kattendorf
Telefon: 04191 909436
kattendorfer-hof.de

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